Sternengeschichten

Sternengeschichten Folge 194: Das Hubble Deep Field

Was passiert, wenn man lange genug das Nichts anstarrt? Nun, dann kriegt man vielleicht Dinge zu sehen, mit denen man absolut nicht gerechnet hat! So ging es zumindest Bob Williams, als er 1995 zehn Tage lang in das "Hubble Deep Field" geblick hat...

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Kommentare  

  1. stefan micheel sagt am Nov 23, 2017 @ 09:22 AM: Neuigkeiten vom Speer des Archytas‘ 2017
    Projekt - Archytas p.t.t.red – in der Ausstellung OPPOSITIONEN & SCHWESTERFELDER in der Wiener Sececcion 1993

    Durch die faszinierende Radiosendung ‚Sterngeschichten‘ im Deutschlandfunk von Florian Freistetter bin ich wieder auf die Arbeit „Projekt Archytas“ von p.t.t.red gestoßen. In Folge 194 der Sterngeschichten berichtet Freistetter über das Hubble Deep Field und wie es dadurch zu den tiefsten Einblicken ins Universum kam.

    Was das Hubble Weltraumteleskop entdeckte, war sensationell!

    Das Ergebnis zeigte das auf dem 100 Stunden langzeitbelichteten Foto das Hubble Deep Field.

    Noch niemals hatte der Mensch so weit hinaus blicken können. Die Hubble Deep Field Aufnahme zeigt uns Licht von Galaxien, die uns an den Rand des Universums führen mit jungen Galaxien, die kurz nach dem Urknall entstanden.

    Dieser Wurf bis zum Rand des Universums wurde schon 1993 als Idee vorgedacht mit dem „Speer des Archytas“ als Paradoxon. Damals beschäftigte ich mich in meinem Astrophysikstudium mit der Thematik Kosmologie und entwickelte mit meinem Kollegen das Projekt Archytas.

    Im 4. vorchristlichen Jahrhundert formulierte der Mathematiker und Musiker Archytas von Tarent, ein Freund Platons, ein Paradoxon:

    Wenn das Universum endlich ist, muss es einen Rand geben. Wenn man kurz vor diesem Rand steht und einen Speer wirft, wird er sich solange fortbewegen, bis er landet. Von diesem neuen Rand aus könnte man den Speer erneut werfen. Es wird für den Speer immer einen neuen Rand jenseits des vorherigen geben – ganz gleich, wo man den Rand zieht. Mit jedem Wurf wird das Universum größer. Daraus schließt man, dass das Universum keinen Rand haben kann und daher unendlich sein muss.

    Mehr als 2 Jahre vor der Entdeckung des Hubble Deep Field wurde dieses Paradoxon 1993 Teil des Projekts Archytas in der Wiener Secession von p.t.t.red in der Ausstellung OPPOSITIONEN & SCHWESTERFELDER, kuratiert von Sabine B. Vogel. Die Idee von p.t.t.red - Stefan Micheel und Hs Winkler war es, den Speer des Archytas‘ auf kürzestem Weg ins Universum zu schleudern.

    Herzstück in der Arbeit der Installation war eine computergesteuerte Funkeinrichtung, die mittels einer Atomuhr zeitgenau Daten in den Weltraum senden konnte.

    Hierfür wurde ein Pfeilpiktogramm als Symbol für den ‚Speer des Archytas‘ als Bilddatei digitalisiert und über diese stärkste Sendeeinrichtung, die man damals auftreiben konnte, in den sternenfreisten Bereich unserer Milchstraße gesendet. Ziel war es, auf dem direktesten Weg in den außergalaktischen Raum, funktechnisch einzudringen.

    Die Peilrichtung der Antenne zielte auf den Himmelssektor parallel zum galaktischen Nordpol, wo die Sternendichte am geringsten ist – im Bereich des ‚Großen Bären‘.

    Während der Ausstellungsdauer gab es aufgrund der Eigendrehung unserer Erde jeweils nur einmal täglich ein Sendefenster zur Himmelslücke. Zu einem festen Zeitpunkt löste eine Atomuhr, die mit der Funkeinrichtung der Installation und der Antenne unter der Kuppel der Wiener Secession verbunden war, die digitale Bilddatei des Speers des Archytas‘ ins Weltall aus.

    Sowohl vom Haus als auch von offizieller Stelle aus wurde in den Museumsräumen die Betreibung einer aktiven Funkeinrichtung untersagt. Dennoch hielten wir diese während des Ausstellungszeitraums unbemerkt in Betrieb.

    Während der Ausstellungsdauer gab es in der Zeitung Wiener Standard die Meldung:

    NASA aufgepasst!

    Nach den Berechnungen eines Hobbyastronomen könnte möglicherweise die Marssonde ‚Observer‘, die ins Sendefenster des Archytas‘ geraten war, eine Fehlfunktion in ihrer Außensteuerung erlitten haben und dadurch außer Kontrolle gebracht worden sein. Nun trudelt der aus seiner Bahn gerissene ‚Observer‘ hinter den lichtschnellen Speeren des Archytas‘ im außergalaktischen Raum daher.

    Die Ausstellung Oppositionen & Schwesterfelder von 1993, in der namhafte Künstler vertreten waren, fand eine große Öffentlichkeit. Im Katalog zur Ausstellung befinden sich die Projektbeschreibung des Projekts ‚Der Speer des Archytas‘ und der begleitende Text: „Das Universum steckt im Kopf oder wir werden sein wie Gott“

    Vielleicht ergab sich daraus 1995 eine Begegnung anderer Art und eine kleine Sternstunde für den Direktor des Space Telescope Science Institutes, den der Speer des Archytas‘ „zong!“ hart traf und uns weit über den Rand des Universums hinausgeschleudert hat.

    Steel – Stefan Micheel 2017

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